Der Schreibkurs

 

Merke: an der Mimik eines Teenagers lässt sich n i c  h t ablesen ob er oder sie emotional beteiligt ist – also ruhig bleiben!

Wir haben jetzt das Stück durch. Mit den Sprachbildern von 1597 kann der Teenie von heute natürlich nichts mehr anfangen. So müssen wir mühsam alles in das Hier und Jetzt übersetzen – es zieht sich und ich versuche schneller in Richtung Medienkurs zu steuern.

Dann die Überraschung. Als die Rollen verteilt sind, sollen die Rollenbiografien entwickelt und vorgestellt werden. Noch wie Kraut und Rüben sprudelt es aber nur so aus den Teilnehmenden heraus – endlich!

Wer wäre Tybalt heute? Wer macht ständig Ärger?

Na der Hausmeister! Aus Sicht eines Schülers: verständlich. Er ist frustriert und voll alt, also 40 oder so, was auch ursächlich miteinander zusammen hängen könnte – ich bin begeistert.

Wer wäre Romeo heute?

Einer der nur zum Schein im Mainstream mit schwimmt, weil er seiner größten Angst davon läuft: zum Opfer zu werden. Warum Opfer? Na weil sein Vater 1992 mit den anderen Vietnamesen im Sonnenblumenhaus zum Opfer rechter Gewalt wurde, drauf hin in die USA auswanderte und in seiner akademischen Laufbahn sich mit dem Thema „Rassismus in der DDR“ auseinander setzt – um sich sein eigenes Opfersein zu erklären – ja ne ist klar!

An dieser Stelle ist dann doch ein Exkurs in das Jahr 1992 nach Rostock Lichtenhagen für einige Teilnehmer nötig, da diese Ereignisse auch schon wieder sehr weit weg sind. Allerdings: sogar der 19Jährige aus dem Westen der Republik kennt das Bild des Mannes in durchnässter Jogginghose.

Der Gruppe fällt auf, dass der Brandanschlag in Tröglitz im April irgendwie so ähnlich war…

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